3. Mut zur Langsamkeit und Reduzierung des Lernstoffes (Kapitel 5 und 6)

Herr Singer ist für Langsamkeit, man soll es der „Lehrplanbürokratie“ (S.67) vorziehen, die „Vorzüge“ dieser „eigenartigen Behinderung“ nutzen und das „Anderssein“ der Schüler akzeptieren. Ich sehe Widersprüche: Wird es dann nicht langweilig für schneller denkende Schüler? Außerdem gibt es Schüler, die unter Zeitdruck besser lernen. Alle sind eben anders- wie es Kurt Singer immer so schön sagt- Wieso aber spricht er immer aus der Sicht der `Opfer- Schüler`? Wie soll man Langsamkeit und Reduzierung des Lernstoffes mit G8 vereinen? 

Natürlich darf der Unterricht nicht zu schnell verlaufen, die Herausforderung ist es die Balance beim Lehrtempo zu finden. Wir wissen alle, dass es für den einen manchmal zu schnell und andersherum für den anderen manchmal zu langsam und langweilig wird. Was fehlt, Herr Singer, ist der Tipp wie man den Kompromiss findet!? Die Bildungspolitik hat den darin gefunden, die Schüler nach ihren Leistungen, darunter fällt auch ihr Lerntempo, in unterschiedlichen Schulformen einzuordnen. Aber Sie sind bestimmt auch gegen das unpädagogische ´Selektionsprinzip`, obwohl Sie doch selbst immer sagen, dass alle Schüler anders sind und sogar Langsamkeit als eine „Behinderung“ bezeichnen. Was soll man sonst machen, als diese andersartigen Kinder von anderen zu trennen und mit einem geringeren Tempo zu unterrichten. Somit vermeidet man auch Langeweile, welches er ja als „den Lernwillen lähmendes Gift“ treffend beschreibt. Hier schließe ich mich Singer vollkommen an. Gegen Langeweile zu kämpfen ist eine große aber notwendige Herausforderung an Lehrer. Die Vorschläge auf dem Weg zu einem spannenden Unterricht macht Herr Singer auf Seite 87: Die Schüler sollen „handelnd lernen“, sich „verantwortlich fühlen“, in „Gruppen“ arbeiten und vor allem sollen sie „mit künftigen Zielen im Blick“ lernen. Ich denke, das sind gute Methoden, die Lehrer in ihren Unterrichtsplan einbauen können. Am wichtigsten finde ich den Aspekt der Kooperation, hier sehe ich nämlich die Möglichkeit, dass sich schnelle und langsame Schüler gegenseitig helfen können. Ja, auch die Langsamen bieten eine wichtige Leistung, denn wie Herr Singer es erwähnt, Langsamkeit hat den Vorteil, dass man das Detail besser begreift.

4 Kommentare »

  1. pmn Said:

    “in Gruppen arbeiten”

    Das haben wir doch immer gehasst wie nichts Zweites. Jetzt versuchen sie diesen Quatsch schon in der Uni (zum Glück lassen die Dozenten es schnell wieder sein, sie sind ja nicht zu irgendwelchen pädagogischen Spiränzchen verpflichtet).

    Oder gibt es da inzwischen neue, brauchbare Formen der Gruppenarbeit?

    • shalin77 Said:

      Bei uns gibt es immer noch Gruppenarbeiten und darüber kann ich mich nicht beschweren, hängt natürlich immer von den Aufgabenstellungen und der Teilnahme der Gruppenmitglieder ab, aber prinzipiell denke ich, dass es wirklich besser ist als ein Rumsitzen und Zuhören… Zumindest ist es eine gute Möglichkeit Schüler zu aktivieren und kooperieren. Was ist so schlecht an Arbeitsteilung, wenn sich jeder bemüht zuverlässig mitzuarbeiten?

      • pmn Said:

        Unter den von dir genannten Prämissen ist nichts Schlechtes dran – allerdings sind die nicht immer gegeben. Während meiner Schullaufbahn sogar äußerst selten. Pädagogische Instrumente, die ihre Voraussetzungen selbst herstellen, sind mir noch nicht bekannt – aber ich bin ja auch kein Pädagoge. Ich würde dafür plädieren, dass man diese Unterscheidung mitbedenkt, wenn man Lehrer ausbildet: Sie müssten nicht nur wissen, welche Instrumente es gibt, sondern auch, unter welchen Voraussetzungen welche einzusetzen sind.Gerade die derzeitigen (ok, ich bin schon ein paar Jahre raus) Unterrichtsprüfungen bei Referendaren zeigten ja ein Höchstmaß an Ignoranz gegenüber solchen Feinheiten. Ob die Prüfer sich wohl genauso darüber im Klaren gewesen sind wie die so beglückten Schüler, kann ich nur hoffen.

      • shalin77 Said:

        Da stimme ich dir zu, aber die Lehrerausbildung unter diesem Aspekt ist schwierig und auch oft kritisiert. Natürlich muss man nach dem Motto “Form follows Function” vorgehen, aber wie soll man an der Uni konkret beibringen, bei welcher Unterrichtssituation welche Methode eingesetzt wird? Grundsätzliche Vorstellungen werden uns schon vermittelt, aber bei der Umsetzung sind wir nach der Uni auf uns selbst gestellt und ich denke da spielt Erfahrung eine große Rolle.


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